In der Stadt Szolnok entsteht die alternative Künstlergruppe „Inconnu“, deren Mitglieder ihre Tätigkeit Anfang der 80er Jahre nach Budapest verlagern. Ab 1980 organisieren sie Ausstellungen und bringen unter dem Motto „Political Art“ Dokumente an die Öffentlichkeit, aus denen die gegen die Gruppe eingesetzten Repressionsmaßnahmen der Staatsmacht ablesbar sind (Hausdurchsuchungen, Geldstrafen, Einschüchterungsversuche).

Vier junge ROPCiO-Aktivisten – Jan Dworak, Bronisław Komorowski, Piotr Krawczyk und Marian Piłka – gründen in Warschau den unabhängigen Verlag „Historische und Literarische Bibliothek“ (Biblioteka Historyczna i Literacka). Die dort herausgegebenen Schriften (unter anderem Auszüge aus der Geheimrede Nikita Chruschtschows von 1956) nutzt die Gruppe auch im Rahmen von Bildungsangeboten an Warschauer Gymnasien.

In Leningrad erscheint die erste feministisch orientierte Zeitschrift der UdSSR: der Almanach „Ženščina v Rossii“ (Die Frau in Russland). Im Frühjahr 1980 erscheint das christlich-feministische Blatt „Marija“.

In Bratislava entsteht die „Vorübergehende Gesellschaft für intensives Erleben“ (Dočasná spoločnosť intenzívneho prežívania; DSIP), deren führende Gestalt Ján Budaj ist. Diese Gruppe plant Aktionen an der Schnittstelle von Straßentheater, Soziologie und Psychologie und ist bis 1981 aktiv.

Erste Bluesmesse von Pfarrer Rainer Eppelmann in der Berliner Samariterkirche. Zu diesen Veranstaltungen, die religiöse, politische und musikalische Elemente verknüpfen, reisen Jugendliche aus der ganzen DDR an. Einige dieser Bluesmessen, die nach 1987 in verschiedenen Kirchengemeinden stattfinden, ziehen bis zu 9.000 Zuhörer in ihren Bann.

Das Oberste Gericht der UdSSR beschäftigt sich mit den Bombenanschlägen in der Moskauer Metro. Alle drei Angeklagten, darunter auch Stepan Satikjan, werden schuldig gesprochen und zum Tode verurteilt. Die Urteile werden wenige Tage später vollstreckt.

Beginn der Kurse an der sogenannten Volksuniversität (Uniwersytet Ludowy), ein unabhängiges, von Vertretern der bäuerlichen Oppositionsbewegung aus Warschau (Marzena und Wiesław Kęcik und andere) initiiertes Bildungsangebot auf dem Land, das in dem südlich von Warschau gelegenen Dorf Zbrosza Duża in die Tat umgesetzt wird. Zu den Dozenten gehören Veteranen der polnischen Agrarbewegung wie Michał Jagła und Piotr Typiak, aber auch eine Gruppe Warschauer Intellektueller. Um die Veranstaltung zu verhindern, lässt die Staatsmacht das Dorf von der Miliz umstellen. Die meisten für Winter und Frühjahr geplanten Bildungsveranstaltungen können deshalb nicht durchgeführt werden.

Auf Initiative des ROPCiO-Aktivisten Wojciech Ziembiński formiert sich in Warschau das Komitee für die Selbstbestimmtheit des Volkes (Komitet Porozumienia na rzecz Samostanowienia Narodu; KPSN). In der Gründungserklärung werden freie Parlamentswahlen gefordert. Im Komitee, das sich insbesondere der staatlichen Unabhängigkeit Polens verpflichtet fühlt, sind bekannte Kriegsveteranen (darunter General Mieczysław Boruta-Spiechowicz und Oberst Kazimierz Pluta-Czachowski), aber auch junge ROPCiO-Aktivisten vertreten (Marian Piłka). Auch eine Zeitschrift („Rzeczpospolita“/Republik) wird herausgegeben.

Tod von Edvard Kardelj, Vordenker des Selbstverwaltungssozialismus (Selbstverwaltung) und seit der Partisanenzeit enger Mitstreiter Titos.

In Warschau erscheint die erste Ausgabe der zensurunabhängigen Quartalsschrift „Res Publica“. Die Herausgeber, hauptsächlich aus dem Umfeld des unabhängigen wissenschaftlichen Seminars von Professor Jerzy Jedlicki, betonen ihre Unabhängigkeit von jeglichen oppositionellen Strömungen. Zur Redaktion zählen Wiktor Dłuski, Damian Kalbarczyk, Wojciech Karpiński, Paweł Kłoczowski, Marcin Król (Chefredakteur), Tomasz Łubieński, Paweł Śpiewak und Barbara Toruńczyk. Bis Mai 1981, als „Res Publica“ ihr Erscheinen einstellt, werden insgesamt acht Ausgaben publiziert, die sich vor allem an Intellektuelle richten. Das konservativ-liberal ausgerichtete Blatt greift aktuelle politische und kulturelle Themen auf.

In Baku gründet Assif Efendijew den eigenen, unabhängigen Diskussionsklub „Odžag“ (Ocaq) als Reaktion auf die von der Staatsmacht verfügte Schließung des „Klubs für Ethik und ästhetischen Erziehung“ an der Aserbaidschanischen Universität.

Ein Kattowitzer Gericht verurteilt den Vertreter der schlesischen Freien Gewerkschaften, Kazimierz Świtoń, zu einer einjährigen Gefängnisstrafe. Der auf falsche Anklagen gegründete Prozess gegen Świtoń ruft umfassende Proteste hervor (Flugblattaktionen, Petitionen), die vom KSS „KOR“, ROPCiO und unabhängigen Intellektuellen organisiert werden. Schon nach kurzer Zeit kommt Świtoń wieder auf freien Fuß.

Der Appell „An alle Werktätigen“ (Do wszystkich ludzi pracy) informiert über die Gründung der Christlichen Gemeinschaft der Werktätigen (Chrześcijańska Wspólnota Ludzi Pracy): „Wir rufen alle gläubigen Werktätigen auf, ihre Kräfte mit uns zu vereinen. […] Lasst uns Fabrik- und Betriebsorganisationen bilden, um so unsere edlen christlichen Ideale zu verwirklichen und zu verteidigen, um die Rechte und die Würde gläubiger Menschen zu schützen!“ Ins Leben gerufen hat die Gemeinschaft der unabhängige Krakauer Oppositionelle Adam Macedoński. Ihm zur Seite stehen Jan Leszek Franczyk, Franciszek Grabczyk, Henryk Pach und Wojciech Sukiennicki sowie die Pfarrer Józef Gorzelany und Tadeusz Zaleski (unter dem Pseudonym „Jacek Partyka“). Im Umfeld der Gemeinschaft erscheint 1979–81 die zensurunabhängige Zeitschrift „Krzyż Nowohucki“ (Das Kreuz von Nowa Huta). Ab 1980 initiiert die Gemeinschaft Demonstrationen, auf denen an die Verteidigung eines 1960 von den Bewohnern aufgestellten Holzkreuzes gegen Polizei- und Militärkräfte erinnert wird.

In der unabhängigen Zeitschrift „Droga“ (Weg) erscheint der programmatische Text „Revolution ohne Revolution“ (Rewolucja bez rewolucji) von Leszek Moczulski. Ausgehend von der Konzeption der sich selbst organisierenden Gesellschaft zeigt Moczulski die Etappen des Weges auf, der aus dem Kommunismus herausführen wird. Binnen Kurzem würden in der Gesellschaft oppositionelle Massenbewegungen (politische Parteien inbegriffen) entstehen, die in der Lage sein würden, die Macht im Lande zu übernehmen.

In Breslau veröffentlicht der Klub der Gesellschaftlichen Selbstverteidigung (ein lokaler Ableger des KSS „KOR“) das „Biuletyn Dolnośląski“ (Niederschlesisches Nachrichtenblatt) als bedeutendste oppositionelle Publikation in der Region, herausgegeben von Janusz Łojek, Kornel Morawiecki und Jan Waszkiewicz. Es wird über Repressionen berichtet, Möglichkeiten der gesellschaftlichen Selbstorganisierung aufgezeigt und die internationale Situation sowie Möglichkeiten für einen Wandel in Polen analysiert. Das Nachrichtenblatt erscheint unter Leitung von Kornel Morawiecki bis 1989 (ab 1982 im Namen der Kämpfenden Solidarność).

Papst Johannes Paul II. besucht seine Heimat Polen. Die Begegnungen mit dem Papst werden für die sich versammelnde Menge zu einer Demonstration der geistigen Unabhängigkeit der Gesellschaft. Ein Jahr vor Gründung der Solidarność spricht der Papst auf dem Warschauer Siegesplatz seine berühmten Worte „Dein Geist steige herab! Und erneuere das Antlitz der Erde! Dieser Erde!“

Auf Initiative des KSS „KOR“ wird die „Charta der Arbeiterrechte“ (Karta Praw Robotniczych) vorgelegt. Sie ist eine Sammlung grundsätzlicher Forderungen und Rechte von Arbeitern, die in ihrer Gesamtheit eine Art Programm für die Arbeiterbewegung darstellen. Betont wird die Notwendigkeit, „ein System der Selbstverteidigung der Werktätigen, vor allem unabhängige Gewerkschaften“ zu schaffen. Die Charta trägt die Unterschriften von über einhundert Personen aus oppositionellen Arbeiterkreisen aus ganz Polen. Sie wird in einer Sonderausgabe des „Robotnik“ veröffentlicht.

Veröffentlichung einer Resolution des Komitees zur Selbstverteidigung gläubiger Menschen in Przemyśl (Przemyski Komitet Samoobrony Ludzi Wierzących), das als Reaktion auf Schwierigkeiten seitens der Behörden beim Bau einer Kirche ins Leben gerufen worden ist. Die Resolution trägt die Unterschriften von etwa 700 Personen.

Die „Ideelle Konzeption“ (Deklaracja ideowa) der Bewegung Junges Polen wird verkündet, die Ende Juli von einer Gruppe junger Menschen aus dem Umfeld der ROPCiO-Zeitschrift „Bratniak“ entstanden war und sich in der Tradition national-demokratischen Denkens sieht. Die Autoren Jacek Bartyzel, Aleksander Hall und Arkadiusz Rybicki messen nationalen und religiösen Werten höchsten Stellenwert bei, äußern sich jedoch auch wohlwollend zu anderen ideellen Strömungen, die sich aus dem Konservatismus, der Agrar- und Bauernbewegung sowie aus dem Unabhängigkeitsdenken des Piłsudski-Lagers speisen. In der bis 1981 existierenden Bewegung Junges Polen engagieren sich etwa 100 Personen, die sich vorwiegend aus Danziger Studenten- und Gymnasiastenkreisen rekrutieren. Die Mitglieder veranstalten Selbststudienzirkel, Demonstrationen zu Gedenk- und Jahrestagen sowie andere oppositionelle Aktionen, oft in Zusammenarbeit mit den Danziger Freien Gewerkschaften.

Appell des Komitees für die Selbstbestimmtheit des Volkes: „Freie Wahlen in Polen!“ (O wolne wybory w Polsce). Vor dem 40. Jahrestag des deutschen Überfalls auf Polen fordern rund 100 Personen (sowohl aus dem Umfeld des KSS „KOR“ als auch des ROPCiO) freie Wahlen.

Verkündung des Baltischen Appells litauischer, lettischer und estnischer Dissidenten. Darin fordern sie die Annullierung des Hitler-Stalin-Paktes und die Beseitigung seiner Folgen. Die sowjetischen Truppen, die seit 1940 das Baltikum okkupieren, sollen abgezogen und den baltischen Ländern das Recht auf freie Entwicklung gewährt werden. Adressaten des Appells sind unter anderem der UNO-Generalsekretär und die Regierung der UdSSR. Unterzeichner des Appells sind 45 Dissidenten aus den baltischen Ländern sowie fünf Russen.

In Warschau wird während einer patriotischen Kundgebung die Etablierung der Konföderation Unabhängiges Polen bekannt gegeben. Es ist dies die erste Gruppierung, die sich selbst als politische Partei betrachtet. Übergeordnetes Ziel ist die Wiedererlangung der Unabhängigkeit. Der von Leszek Moczulski geführten Konföderation gehören bis August 1980 einige Dutzend Personen an. Sie gibt einige zensurunabhängige Schriften (allerdings in nur geringer Auflage) heraus und betreibt einen Verlag.

Hungerstreik in der Warschauer Heiligkreuz-Kirche als Zeichen der Solidarität mit den in der Tschechoslowakei inhaftierten Aktivisten der Charta 77. An dem Hungerstreik beteiligen sich die KSS-„KOR“-Aktivisten Konrad Bieliński, Jacek Bierezin, Anka Kowalska, Jacek Kuroń, Jan Lityński, Antoni Macierewicz, Pfarrer Stanisław Małkowski, Jerzy Markuszewski, Adam Michnik, Halina Mikołajska sowie Mariusz Wilk. Seitens des ROPCiO sind Andrzej Czuma und Kazimierz Janusz beteiligt. Dabei sind auch Kazimierz Wóycicki (Herausgeber von „Więź“ und „Głos“) sowie Joanna Duda-Gwiazda von den Freien Gewerkschaften der Küste. Sprecher der Hungerstreikenden sind Jan Kielanowski und Jan Józef Lipski.

In Stettin konstituiert sich das Gründungskomitee der Freien Gewerkschaften Westpommerns. Die Gewerkschaften in Westpommern sind schwächer als in Danzig aufgestellt. Sie verteilen in einigen Betrieben Flugblätter und geben mit dem „Robotnik Szczecinski“ (Stettiner Arbeiter) eine eigene kleine Zeitschrift heraus.

In einem in der Pariser Zeitung „Le Monde“ erschienenen offenen Brief protestieren György Bence, János Kenedi und János Kis gegen gegen die in Prag gegen die Bürgerrechtler der Charta 77 verhängten Gerichtsurteile.

Es kommt zu zahlreichen Verhaftungen, darunter von Antanas Terleckas, Vorsitzender der Litauischen Freiheitsliga (30. Oktober); Tatjana Welikanowa, seit 1970 Herausgeberin der „Chronik der laufenden Ereignisse“, Mitglied der Initiativgruppe zur Verteidigung der Menschenrechte in der UdSSR (am 1. November); Gleb Jakunin, orthodoxer Geistlicher und Vorsitzender des Christlichen Komitees zur Verteidigung der Rechte der Gläubigen in der UdSSR (am 1. November); Waleri Abramkim, Chefredakteur der Zeitschrift „Poiski“ (am 4. Dezember).

Entstehung des Armenhilfefonds (Szegényeket Támogató Alap; SZETA), gegründet von den Schülern István Keménys: Ottilia Solt, András Nagy, Gábor Iványi, Bálint Nagy und Gabriella Lengyel.

Bereits zum zweiten Mal findet in Danzig am Jahrestag des Dezember 1970 eine von der Bewegung Junges Polen und den Freien Gewerkschaften der Küste organisierte Gedenkveranstaltung statt, auf der unter anderem Lech Wałęsa das Wort ergreift. Im Vorfeld der Kundgebung nimmt der Staatssicherheitsdienst Massenverhaftungen in Danziger Oppositionskreisen vor. Die Reaktion auf die Festnahmen sind Warnstreiks in etlichen Betrieben. Auch in anderen Städten wird am Jahrestag der Ereignisse vom Dezember 1970 demonstriert, allerdings weniger zahlreich als in Danzig.