Frankreichs Staatspräsident François Mitterand, der auf Einladung Todor Schiwkows zu einem 30-stündigen Staatsbesuch in Bulgarien weilt, trifft sich zu einem Arbeitsfrühstück mit führenden bulgarischen Intellektuellen, die meisten von ihnen aus dem Umfeld des Klubs für Glasnost und Perestroika.

In Plowdiw wird die Unabhängige Gewerkschaft Podkrepa gegründet. Vorsitzender wird Konstantin Trentschew. Es ist die erste unabhängige Gewerkschaftsorganisation Bulgariens seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Später wird sie unter dem Namen Gewerkschaftskonföderation Podkrepa bekannt.

Erklärung von 102 bulgarischen Intellektuellen zur Unterstützung des in der Tschechoslowakei inhaftierten Václav Havel. Diese wird in Radio Freies Europa verlesen.

Das Komitee zum Schutz Religiöser Rechte, der Gewissensfreiheit und Geistiger Werte wird gegründet. Vorsitzender ist der orthodoxe Priester Christofor Sabew. Kurz darauf gründet sich der Christliche Bund Spassenie (Rettung), der ähnliche Ziele verfolgt.

In dem südbulgarischen Dorf Dschebel findet die erste organisierte Protestdemonstration von Türken statt. Es sind sieben Todesopfer und 28 Verletzte zu beklagen. Die Unruhen weiten sich auch auf den Nordosten Bulgariens aus, wo die türkischstämmige Bevölkerung gegen die Zwangsbulgarisierung ihrer Vor- und Familiennamen protestiert.

Etwa eine halbe Million Türken werden aus Bulgarien vertrieben.

Ein Sofioter Gericht lehnt die Registrierung des Unabhängigen Vereins Ekoglasnost ab, der sich in seiner Arbeit auf die Erfahrungen des Öffentlichen Komitees für den Schutz der Umwelt von Russe stützen will. Die Organisation ist seit Anfang des Jahres aktiv, kann ihre Gremien jedoch offiziell erst im April 1989 wählen.

Ljubomir Sobadschijew gründet die Menschenrechtsorganisation „Komitee 273“, die ihre Aufgabe unter anderem darin sieht, westliche Massenmedien mit Informationen über die Lage in Bulgarien zu versorgen. Durch ihre Tätigkeit erreicht die Organisation die Streichung des Paragraphen 273 aus dem Strafgesetzbuch, der sich gegen die Initiatoren unabhängiger Aktivitäten gerichtet hatte.

Der Essay „Imeto“ (Name) von Blaga Dimitrowa wird über das Akademiemitglied Alexei Scheludko dem französischen Diplomaten Yves Manville übergeben und dann von Radio Freies Europa, der Deutschen Welle und der BBC verlesen.

In Sofia findet die internationale Umweltkonferenz Ekoforum statt – eine Gelegenheit für die Opposition, internationales Parkett zu betreten und um die Unterstützung des demokratischen Westens zu werben. Am aktivsten sind die Vertreter von Ekoglasnost, die bereits im Vorfeld der Konferenz Unterschriften gegen ein Projekt der Regierung sammeln. Während der Tagung selbst verteilen Aktivisten der Opposition Flugblätter, sammeln Unterschriften, laden zu Pressekonferenzen und Informationsveranstaltungen ein.

Die bulgarische Sektion des Internationalen Helsinki-Komitees wird gegründet.

Auf dem Platz vor der Sofioter Alaxander-Newski-Kathedrale findet die erste nichtkommunistische Protestdemonstration statt, auf der eine Petition von Umweltschützern an das Parlament übergeben wird.

Das Plenum des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei entmachtet Todor Schiwkow. An seine Stelle tritt Petar Mladenow.

Die erste Ausgabe der Wochenzeitung „Nesavisimost“ erscheint. In der Anfangsphase wird sie noch auf den Straßen Sofias plakatiert und auf Disketten verbreitet, die erste gedruckte Ausgabe erscheint am 12. April 1990.

Nach vierzigjähriger Unterbrechung nimmt die (Vereinigte) Bulgarische Sozialdemokratische Arbeiterpartei ihre Tätigkeit wieder auf. Der Name der Partei wird später in Bulgarische Sozialdemokratische Partei geändert.

Erste antikommunistische Großkundgebung nach dem Sturz Todor Schiwkows unter der Losung: „Weg mit der Kommunistischen Partei!“

Zehntausende Demonstranten belagern das bulgarische Parlament und verlangen die Streichung von Artikel 1 der Verfassung, in dem die „führende Rolle der Partei“ verankert ist. In der extrem aufgeheizten Atmosphäre ruft der Vorsitzende der Union Demokratischer Kräfte zu Ruhe und Besonnenheit auf. Der neue Staats- und Parteichef Petar Mladenow hingegen fordert den Einsatz von Panzern. Seine Aussage wird dokumentiert und führt einige Monate später zu seinem Rücktritt.