Name des Begriffes: Unabhängige Selbstverwaltete Gewerkschaft der Einzelbauern „Solidarność“
Beschreibungen des Begriffes:

Unabhängige Selbstverwaltete Gewerkschaft der Einzelbauern „Solidarność“

Bauerngewerkschaft, die ideell eng mit der Solidarność verbunden war und auch mit dieser kooperierte. Ihren Ursprung hatte die mit vollem Namen Unabhängige Selbstverwaltete Gewerkschaft der Einzelbauern „Solidarność“ (Niezależny Samorządny Związek Zawodowy Rolników Indywidualnych „Solidarność“) genannte Gewerkschaft in den ab 1978 entstandenen unabhängigen Bauerngruppen Provisorisches Komitee der Bäuerlichen Selbstverteidigung (Tymczasowy Komitet Samoobrony Chłopskiej) der Region Lublin, Komitee der Bäuerlichen Selbstverteidigung (Komitet Samoobrony Chłopskiej) der Region Grójec mit Sitz in Zbrosza Duża, Komitee der Bäuerlichen Selbstverteidigung der Region Rzeszów und Provisorisches Komitee der Gewerkschaft der Bauern (Tymczasowy Komitet Zawodowego Rolników; TKZZR). Einfluss auf das Entstehen einer unabhängigen Bauernbewegung hatten auch KSS „KOR“, ROPCiO sowie die an die Bauernschaft gerichteten Zeitschriften „Gospodarz“ (Landwirt), „Placówka“ (Zweigstelle) und „Postęp“ (Fortschritt). Eine Inspirationsquelle für die unabhängige Bauernbewegung waren auch die Veteranen der Bauernbewegung, die 1979 ein Zentrum für Agrarisches Denken (Ośrodek Myśli Ludowej; OML) gründeten.

Bis 1980 hatten die Bauerngruppen noch keine eigene, gemeinsame Interessenvertretung hervorgebracht und standen damit anderen politischen Oppositionsgruppen in dieser Hinsicht nach. Die prominentesten Bauernvertreter aus jener Zeit waren Janusz Rolek (Woiwodschaft Lublin), Pfarrer Czesław Sadowski (Zbrosza), Jan Kozłowski, Wiesław Kęcik (KSS „KOR“, „Placówka“), Bogumił Studziński (ROPCiO, „Gospodarz“) und Michał Jagła (Zentrum für Agrarisches Denken).

Nach dem Streiksommer 1980 nahmen die Bauern die Organisierung des gewerkschaftlichen Lebens für Einzelbauern im Herbst selbst in die Hand, in den meisten Fällen ohne dabei an Entwicklungen aus der Zeit vor dem August 1980 anzuknüpfen. Im Oktober 1980 lehnte das Woiwodschaftsgericht Warschau die Registrierung der unabhängigen Bauerngewerkschaft Solidarność Land ab, die ungeachtet dessen in der Folgezeit versuchte, ihre Tätigkeit fortzuführen. Es existierte auch noch eine zweite Gewerkschaft: die Bauern-Solidarność (Solidarność Chłopska).

Ende Dezember 1980 begannen Protestaktionen der Bauern, wie Besetzungen von Verwaltungsgebäuden, die mit der Unterzeichnung von Vereinbarungen mit der Obrigkeit in Ustrzyki Dolne und in Rzeszów endeten (am 18. und 20. Februar 1981). In diesen Vereinbarungen ging es um die Unantastbarkeit bäuerlichen Eigentums, um ökonomische und rechtliche Rahmenbedingungen für eine bessere Rentabilität bäuerlicher Einzelbetriebe sowie um eine verbesserte Versorgungslage auf dem Lande. Die Staatsmacht erkannte jedoch weiterhin nicht das Recht der Landwirte an, sich in Gewerkschaften zu organisieren und wollte diese zwingen, sich den vom Staat kontrollierten Vereinigungen der gegenseitigen Bauernhilfe anzuschließen.

Am 8. März 1981 erhielt die unabhängige Bauernbewegung schließlich eine einheitliche Organisation: die Unabhängige Selbstverwaltete Gewerkschaft der Einzelbauern „Solidarność“, deren Vorsitzender Jan Kułaj wurde. Mitte März begannen die Mitglieder dieser Gewerkschaft in Bydgoszcz (Bromberg) mit einer Protestaktion, die die offizielle Registrierung ihrer Organisation zum Ziel hatte. Die Unterstützung dieser Forderung durch die Solidarność führte auf einer Sitzung des Woiwodschaftsnationalrates in Bydgoszcz zu einem Zwischenfall, bei dem drei Gewerkschaftsvertreter tätlich angegriffen wurden. Dies löste die landesweite sogenannte „Bromberger Krise“ (19.–30. März) aus, die erst mit der Unterzeichnung einer offiziellen Vereinbarung beigelegt werden konnte. Darin war das Verfahren der Registrierung der Solidarność der Einzelbauern bestätigt. Die Registrierung und Zulassung der Bauerngewerkschaft erfolgte dann am 12. Mai 1981. In der Folgezeit baute die Organisation ihre Repräsentanz im Land aus, erreichte jedoch nie eine vergleichbare Bedeutung wie die Solidarność.

Nach Ausrufung des Kriegsrechts und dem Verbot der Solidarność der Einzelbauern war das Ausmaß der gewerkschaftlichen Untergrundarbeit auf dem Land groß. Die wichtigste Initiative war im Jahre 1982 die Gründung des Gesamtpolnischen Widerstandskomitees der Bauern (Ogólnopolski Komitet Oporu Rolników; OKOR) durch Józef Teliga. Viel Rückhalt fanden Bauernaktivisten in Kirchengemeinden. Erst 1986 machte man sich an den Wiederaufbau der organisatorischen Strukturen, und im März 1987 wurde der Landesbauernrat „Solidarność“ berufen, den Vorsitz hatte Józef Ślisz. Vertreter der Bauerngewerkschaft waren an den Gesprächen am Runden Tisch beteiligt. Im April 1989 erfolgte die offizielle Wiederzulassung der Solidarność der Einzelbauern. Personalstreitigkeiten und die Entstehung weiterer Bauernparteien führten zu einer Schwächung der Bauerngewerkschaft, die Anfang der 90er Jahre etwa 300.000 Mitglieder zählte.

Andrzej Friszke

Synonyme: Unabhängigen Selbstverwalteten Gewerkschaft der Einzelbauern „Solidarność“
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